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09.10.2015

Grüne: Ohne weiteres keine Zustimmung zu neuen Stromleitungen

Voltlage – Angesichts von Gesundheitsgefahren, Flächenverbrauch und Beeinträchtigung des Landschaftsbildes kann es aus Sicht der Grünen aus der Samtgemeinde Neuenkirchen ohne weiteres keine Zustimmung zum Bau neuer Stromleitungen geben.  „Es fehlt immer noch ein deutschlandweites Gesamtkonzept zur zukünftigen Energieversorgung mit 100% Erneuerbaren, ausreichend Speicherkapazität und effizientester Technik“, betonte Vorstandsmitglied Laurenz Brackmann. Erst dann könne sich herausstellen, inwieweit neue Stromtrassen überhaupt erforderlich seien.

Josef Klausing wies auf die Planung hin, bis 2018 im Bereich Merzen-Hackemoor ein Umspannwerk zu errichten, wofür etwa 13 Hektar Land verbraucht werden könne. Ins Gespräch gebracht worden sei eine Nebentrasse von Westerholte über Balkum bis Bottum. Obwohl in der Regel ein Abstand von 400 Metern zu Siedlungen und 200 Meter zu Einzelhäusern einzuhalten sei, könne notfalls die Stromtrasse bis ans Haus reichen. Lediglich die Führung der Stromleitung über Häuser sei unzulässig.

Zum Zeitplan berichtete der Merzener Ratsherr, derzeit würden von der Landesbehörde ARL (Amt für Regionale Landentwicklung) die Stellungnahmen der Kommunen im Rahmen der Raumordnung ausgewertet. Etwa 2017 sei mit einem Planfeststellungsentwurf zu rechnen, der öffentlich ausgelegt werde und wozu dann jeder Bürger Stellung nehmen könne. Nach Auswertung erfolge ein Planfeststellungsbeschluss, gegen den geklagt werden könne. Die Genehmigungsbehörde rechne mit Baubeginn 2020 und Inbetriebnahme 2022.

Dass ebenfalls 2022 spätestens das Atomkraftwerk Lingen abgeschaltet werden müsse, was die Stromtrassen entlaste, verstärkte bei den Grünen die Frage nach der Notwendigkeit neuer Trassen. Keinerlei zusätzliche Belastung sei dem ländlichen Raum zuzumuten, um Strom aus nicht ausgelasteten, mit Importkohle betriebenen Kraftwerken an der Küste abzutransportieren,  erklärte Brackmann. Bedenklich seien außerdem die Zusatzkosten für nicht unbedingt erforderliche neue Stromtrassen, die auf die Stromkunden umgelegt würden.

Über Studien mit dem Nachweis häufigerer Leukämiefälle in der Nähe von Stromtrassen berichtete Grünen-Vorstandsmitglied Hans Steiner. Es bestehe der Verdacht, dass die Magnetfelder der Stromleitungen ein Risikofaktor für Leukämie vor allem bei Kindern seien. Ab einer Dauerbelastung von 0,4 Mikro-Tesla (µT) werde die Möglichkeit der Verursachung von Krebs angenommen. Während deshalb die Schweiz ihren Grenzwert auf 1 µT gesenkt habe, betrage er in Deutschland noch immer 100 µT.

Soweit am Bau neuer Stromtrassen festgehalten werde, wollen die Grünen in der Samtgemeinde Neuenkirchen sich deshalb dafür einsetzen, möglichst weitgehend Erdkabel zu verlegen. Als völlig überteuert, vermutlich um abzuschrecken, stufte Grünen-Geschäftsführer Johannes Bartelt erste Erdkabelprojekte in Deutschland wie in Raesfeld ein. In anderen Ländern wie Belgien sei der Nachweis erbracht worden, das diese Technik wesentlich preiswerter zu realisieren sei.  



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