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26.06.2015

Katastrophenschutz für Atomkraftwerk Lingen: Grünen-Abgeordnete sprach mit Kreisrat Wilkens

Osnabrück –Wie wird die Bevölkerung vor den Folgen einer möglichen Havarie geschützt, solange das Atomkraftwerk Lingen - wie bisher vorgesehen - bis 2022 in Betrieb ist? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Gespräches der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl und Vertretern der Landkreis-Grünen mit Kreisrat Dr. Winfried Wilkens.

Osnabrück –Wie wird die Bevölkerung vor den Folgen einer möglichen Havarie geschützt, solange das Atomkraftwerk Lingen - wie bisher vorgesehen - bis 2022 in Betrieb ist? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Gespräches der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl und Vertretern der Landkreis-Grünen mit Kreisrat Dr. Winfried Wilkens.

Wenn EON wie angekündigt am morgigen Samstag Grafenrheinfeld abschalte, seien noch acht Atomkraftwerke in Deutschland in Betrieb, für die eine Katastrophenschutzplanung erfolgen müsse, betonte die atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Aber auch nach deren Außerbetriebnahme müssten während der weiterhin ungeklärten Lagerung des Atommülls sowie angesichts der in Nachbarstaaten wie Frankreich, Belgien und Tschechien betriebenen Atomkraftwerke ein größtmöglicher Schutz organisiert werden.

Bisher ist bei einer Katastrophe im Atomkraftwerk Lingen die Aufnahme von gut 8.000 Evakuierten durch Landkreis-Kommunen innerhalb von 24 Stunden vorgesehen (*). Die Stadt Osnabrück biete Platz für 4.600 Menschen für einen bisher nicht absehbaren Zeitraum, erfuhren die Grünen auf Nachfrage. Nach den Erfahrungen von Fukushima ist jedoch eine Ausweitung der Evakuierungszone auf 20 km in Vorbereitung, darüber hinaus eine „Schutzzone“ von 100 km, in der zunächst nur Jodtabletten verteilt würden.

Die Gültigkeit der bisherigen Vorgaben durch das Land Niedersachsen sei bis Ende 2015 verlängert worden, berichtete Dr. Wilkens. Er erwarte, dass die neuen Bundesrahmenempfehlungen möglichst zeitnah auch für Niedersachsen in Kraft gesetzt werden. Dann können wir zusammen mit den Gemeinden und den Hilfsorganisationen unsere Pläne an die neuen Vorgaben anpassen. Es gebe für alle Aufnahmekommunen Listen, wie viele Menschen wo unterzubringen seien. Für die Versorgung seien die Kommunen zuständig. Nach Erlass der neuen Regelung sei eine Übung angemessen, um das Funktionieren zu trainieren. Schutz und Hilfeleistung bei Unglücksfällen bis hin zu Katastrophen seien im Kreisgebiet angesichts der ca. 3.500 Feuerwehrleute und einer vierstellige Zahl weiterer Katastrophenhelfer in guten Händen.

„Warten die Menschen überhaupt auf Evakuierung oder flüchten viele nicht unverzüglich auf eigene Faust?“, fragte Kreisvorstandssprecherin Anna Kebschull „Und würden alle wie in Japan angesichts ihrer Gesundheitsgefährdung zur Stelle sein?“ Natürlich sei ein Szenario mit Austritt von Radioaktivität ein extremes Ereignis, dass auch die Einsatzkräfte noch mal deutlich stärker belaste als andere Unglücksfälle, erklärte Wilkens. Er gehe aber davon aus, dass die Planung zum größten Teil funktionieren werde. „Aber eine Katastrophe bleibt eine Katastrophe, mit allen Unwägbarkeiten“, so der Kreisrat. Da es sich nicht um ein punktuelles Ereignis handele, sondern um eine sich verbreitende Nachrichtenlage, gehe er erst mal davon aus, dass alle kommen würden.

Jodtabletten für den kleinen Teil des Landkreises, der in der Außenzone liege, würden zentral im Kreisgebiet gelagert und über die Ordnungsämter verteilt. Jodtabletten für alle weiteren Einwohner lagerten jedoch nicht im Landkreis, sondern würden im Ernstfall durch das Land angeliefert. In diesem Zusammenhang wies Grünen-Sprecher Ralph Griesinger darauf hin, dass die Jodtabletten zeitnah eingenommen werden müssten, um Wirkung zu zeigen, das gegenwärtige Verfahren sei zu langwierig. Zu fragen sei auch, wer im Ernstfall die radiologischen Bodenkontrollen vornehmen würde, da im Landkreis dafür keine geeigneten Messgeräte vorhanden seien. Wilkens verwies darauf, dass die entsprechenden Messungen und Bewertungen in der Verantwortung des Radiologischen Lagezentrums für das Atomkraftwerk Lingen lägen.

 

(*)Nach dem noch gültigen Plan sind 8.290 Evakuierte im Landkreis Osnabrück aufzunehmen: Alfhausen 210, Bad Essen 795, Bad Laer 100, Bad Rothenfelde 120, Stadt Bersenbrück 410, Bissendorf 310, Bohnte 720, Stadt Bramsche 80, Dissen 230, Georgsmarienhütte 510, Glandorf 100, Hagen 200, Hasbergen 165, Hesepe 80, Hilter 250, Melle 1.115, Melle-Neuenkirchen 320, Quakenbrück 940 und Wallenhorst 635.  



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